Wurmkiste bauen

Wurmkiste 6: Komposternte

Nach frühestens 3-4 Monaten, oder wenn die Kiste zu ¾ voll mit Wurmhumus ist, kann man ernten. Wenn man im Winter angefangen hat, kann es auch ein halbes Jahr oder länger dauern, bis man zum ersten Mal ernten kann.

Wenn du eine einfache Kiste gebaut hast, kannst du mit der Pyramidenmethode den Kompost aus der Kiste ernten. Dafür kippst du den Inhalt des Kastens auf eine Plane. Den Haufen auf der Plane formst du pyramidenartig.

Wurmkompost-Ernte

Da Würmer Licht und Wärme meiden, ziehen sie sich in die unteren Schichten des Haufens zurück. Nun kannst du den oberen – von den Würmern verlassenen – Teil des Haufens „abernten“.

Ernte aus der Wurmkiste

Dann formst du wieder eine Pyramidenspitze aus dem verbleibenden Komposthaufen. Diesen Vorgang wiederholst du mehrmals, die Würmer kannst du wieder in ihre alte Kiste zurückgegeben, die du wie in Schritt 4 beschrieben neu aufgebaut hast.

Ende Ernte

Wenn man längerfristig plant, kann man die Würmer auch in der Kiste schon „abwandern“ lassen. Das funktioniert mit einer vertikalen Trennung in der Kiste (siehe Foto)...

Vertikale Wurmkiste ("Wanderkiste")

... oder mit einem Kistenstapel, wie er in dieser Bauanleitung vorgestellt wird. Der Trick ist, dass du dann 2-3 Monate vor deinem gewünschten Erntezeitpunkt nur noch die eine Seite der bzw.die oberste Kiste fütterst, um die Würmer aus dem restlichen Kompost herauszulocken. Die ausgewachsenen Würmer werden sich recht schnell zum Futter hinbewegen. Die relativ lange Wartezeit dient dazu, auch dem noch im Kokon befindlichen Nachwuchs die Chance zu geben, zu schlüpfen und zum Futter zu wandern.
Die Würmer bei Laune halten

Generell ist es gut, immer mal zu schauen, was die Kiste für einen Eindruck macht. Das ist eine Aufgabe für mehrere Sinne: man kann sehen, riechen, oder fühlen.

Der Idealzustand ist gemäßigt. Nicht zu warm, nicht zu kalt, nicht zu trocken, nicht zu nass. Die Kiste riecht wie dunkler Waldboden und wenn man die Abdeckung beiseite schiebt und dann direkt einige Würmer wegkriechen, und auch weiter unten noch welche zu finden sind, ist wahrscheinlich alles in Ordnung: die Würmer fühlen sich in der ganzen Kiste wohl. Wenn es zu trocken, zu kalt oder zu warm ist, verkriechen sich die Würmer weiter unten, wo die Bedingungen besser für sie sind. Ein weiteres gutes Zeichen ist, dass sich die Würmer vermehren. Das erkennst du daran, dass du ca. 2 mm große, ovale, bräunlich durchscheinende Kokons findest oder winzige Kompostwürmer siehst.

Im Hochsommer und in der kälteren Jahreszeit sind die Würmer übrigens nicht so aktiv – das ist normal und kein Grund zur Sorge.

Hier noch eine kleine Sammlung von Dingen, die passieren können, und was du dann am besten tust:

Es riecht komisch…

… nach Zwiebeln, Kohl: wenn man größere Mengen intensiv riechende Gemüseabfälle für die Kiste gesammelt hat, dann riecht es auch mal nicht nach Waldboden, sondern eben nach dem, was drin ist. Es hilft, die Reste etwas einzugraben.

… alkoholisch: Wahrscheinlich hast du viele Obstabfälle hineingetan. Hier heißt es: Vorsichtig sein – vielleicht nicht alles in die Wurmkiste tun oder gut mit Pappe o.Ä. mischen. Es sollte nicht anfangen zu gären. Wenn es in der Kiste beginnt, nach Alkohol zu riechen, entweder Obstreste wieder entfernen und anders entsorgen oder trockenes Material untermischen.

… faulig riecht – das heißt, die Kiste ist zu feucht und nicht gut belüftet. Was tun? Trockene Pappe, Holzschnitzel, kleine Stöckchen oder Ähnliches untermischen, das sollte in ein paar Tagen die überschüssige Feuchtigkeit aufgesaugt haben, sodass die anaeroben Zonen austrocken, sodass die Kompostierung wieder funktioniert.

Ungebetene Gäste in der Wurmkiste:

Fruchtfliegen: Wenn es doch einmal zu einer Fliegenplage kommt, gibt es mehrere Möglichkeiten: Den Kompost mit einer Schicht Papier oder Sand abdecken, die freiliegenden Innenwände der Kiste mit Essig abreiben. Du kannst auch eine Fliegenfalle aufbauen: einfach einen Schuss Essig (gut funktionieren Apfelessig oder Balsamico) in eine Tasse Wasser und einen Spritzer Spüli hineingeben. das ist zwar nicht so schön, weil die Fliegen ertrinken und wahrscheinlich ist es schlecht für’s Karma. Mir persönlich ist es aber lieber als Fruchtfliegen in der Wohnung.

Schnecken: Schaden zwar nicht, aber wer selbst gärtnert, will vielleicht keine Schneckenzucht anlegen (denn in der Kiste haben sie keine natürlichen Feinde). Tipp: aus der Kiste heraussammeln und in der nächsten Grünanlage aussetzen.

Falls irgendwer hinaus will: Reisende soll man nicht aufhalten, wenn irgendwelche Asseln oder Käfer immer zum Deckel krabbeln , würde ich sie einfach nach draußen bringen, wer keine Krabbeltiere anfassen mag, nimmt einfach ein Glas und eine Postkarte für den Transport.

Ich muss weg und keiner kann gießen: Man kann sich auch ein „Bewässerungssystem“ für die Wurmkiste bauen. Dafür ein großes Glas Wasser (oder auch mehrere Gläser) in die Kiste stellen und einen Baumwollfaden tief in das Glas eintauchen und das andere Ende in die Erde stecken. Trocknet die Erde aus, wird über Kapillarkräfte Wasser aus dem Glas in die Erde gezogen.

Wurmkiste 5: Kompostwürmer richtig füttern (Vorheriger Schritt)
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Initiator*in
Judith Henning / Foto: Amelie Hensel
Judith Henning
Aktiv für : Metagarten
  • Website : www.judithhenning.de/
  • Interessen : (urbane) Permakultur, Wurmkompost, Bokashi, Gemüseanbau in der Stadt, Kistengärtnern
  • Motto : Das „richtige“ tun, sollte Spaß machen - If it’s not fun, it’s not sustainable.
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