Einfach leben: Hast du genug? | EINRICHTEN

Einfach leben: Hast du genug? | EINRICHTEN

Wie geht das: Einfach leben und mit wenigen Dingen? Heute soll um Durchschnitt ja jede und jeder von uns 10.000 Dinge besitzen. Zum Vergleich: Vor 200 Jahren sollen es noch durchschnittlich 150 gewesen sein und vor 100 Jahren immerhin nur rund 400.

Anders gesagt: Wir horten immer mehr Zeug. Aber warum eigentlich? Untersuchungen zeigen, dass uns all der Krempel nicht glücklicher macht. Eher im Gegenteil: Er raubt und Zeit, erfordert Geld und stresst uns. Ich frage mich daher, wie ich herausfinden kann, wann ich tatsächlich genug habe. Dazu habe ich ein bisschen recherchiert.
Und ich habe entdeckt, dass es viele Gründe gibt, warum wir Dinge kaufen, die wir in Wirklichkeit gar nicht brauchen:

Darum kaufen wir mehr als wir brauchen

1. Glücksdusche Dopamin

Zum einen löst das Kaufen von Dingen das Glückshormon Dopamin aus: Kurzfristig wird unser Gehirn damit überflutet und wir fühlen uns richtig gut – glücklich. Doch das hält nicht lange an. Schon nach wenigen Minuten ist das Dopamin aufgebraucht. Dann wünschen wir uns wieder einen Dopamin-Kick und das geht in einem so fort. So kommt es, dass es immer mehr Dinge in unseren Häusern und Wohnungen gibt, die wir gar nicht oder nur wenige Male nutzen – und dann entweder im Keller verstauben lassen, weggeben oder sogar wegschmeißen... Es geht dabei mehr darum, sie zu kaufen, als sie zu haben.

2. Statuskäufe

Ein zweiter Grund, warum wir uns Dinge kaufen, die wir eigentlich gar nicht brauchen: Wir sind soziale Wesen. Wir wollen die Anerkennung anderer. Und die gibt es eben unter anderem auch für Statusgüter. Wenn ich mir einen tolles neues Smartphone, Auto oder Küchengerät kaufe, dann schätzen mich andere in der gesellschaftlichen Hierarchie möglicherweise weiter oben ein. Denn Erfolg im Leben wird in unserer Gesellschaft eben meistens mit der Höhe des Vermögens gleichgesetzt, dass ich im Laufe meines Lebens ansammeln kann.

Das Dumme daran ist, dass wir uns dabei immer gegenseitig übertrumpfen wollen: Wenn mein Nachbar nächste Woche ein noch tolleres, neues Smartphone, Auto oder Küchengerät kauft, dann schaue ich schon wieder doof aus der Wäsche.

3. Werbung und Medien

Drittens sorgt eine ganze Werbe- und Medienindustrie dafür, dass wir nie zufrieden sind. Durch sie orientieren wir uns eben nicht mehr nur am Nachbarn – sondern an den Schönen und Reichen aus den Serien und Nachrichten . Das Problem: Sie werden immer mehr haben, als wir... Oft arbeitet Werbung auch mit unbewussten Ängsten. Werbe-Strategen haben angeblich sogar schon Krankheiten erfunden, um Medikamente zu verkaufen … Ist das nicht verrückt?

Alles nur für's Wachstum?

Letztlich treiben wir diese verrückte Verschwendungsmaschine – mit der wir Menschen, Tiere und Naturressourcen ausbeuten und unsere Welt zumüllen – nur an, weil wir meinen, dass wir immer mehr und mehr Wachstum brauchen.

In seinem Buch „Adieu, Wachstum“ geht der Politikwissenschaftler Norbert Nicoll (www.tectum-verlag.de) davon aus, dass wir durch unsere gesamte Kultur darauf gepolt werden zu glauben, dass immer und immer noch mehr zu besitzen richtig, normal und gut sei. Und das gilt sowohl für uns als Inidividuen, als auch für uns als Gesellschaft.

Dabei haben laut Nicoll die Menschen bis zur Aufklärung die Welt völlig anders gesehen: Davor war es regelrecht verpönt, immer mehr anzuhäufen. Die Menschen glaubten an Gott und daran, dass sie ein besonders tolles Leben nach dem Tod erwartet, wenn sie in dieser Welt ethisch besonders gut leben.

Heute, so Nicoll, hegt kaum noch jemand die Hoffnung auf so ein Jenseits. Und deshalb müssen wir alles, was wir uns erträumen, noch in diesem einen Leben verwirklichen. Also vor unserem Tod, an den wir lieber nicht denken, der aber alles bestimmt: Unsere Jagd nach immer noch mehr Glück, noch mehr Dingen, noch mehr Erfüllung, noch mehr Leistung, noch mehr Erfolg (gemessen meist in materiellem Erfolg)...

Und so leben wir in einer Welt, die uns eigentlich – ganz entgegen aller Versprechungen der Werbung und der Wirtschaftstheoretiker – unglücklich und unzufrieden macht: Wir haben permanent das Gefühl noch etwas zu brauchen. Und aus Sicht der Unternehmen muss das auch so sein, denn sonst könnten sie ja gar nichts mehr verkaufen.

Einfach leben – weniger konsumieren

Da frage ich mich, wie ich als einzelner Mensch da ausbrechen kann: Kann ich mich und meine Sicht auf das, was ich im Leben erreichen und erleben möchte, so verändern, dass ich nicht mehr in dieser Konsumspirale gefangen bin?

Diese Frage habe ich mir schon vor vielen Jahren gestellt. Meine Erfahrung seitdem ist, dass es geht. Sicherlich nicht ganz und ständig hundertprozentig. Auch ich gehe durch die Straßen und sehe tolle Dinge im Schaufenster, die ich dann gerne hätte. Aber ich kaufe mir viel, viel weniger und – besonders wichtig – empfinde das überhaupt nicht als Verzicht, sondern als Befreiung.

Denn es geht für mich vor allem darum zu erkennen, was ich nicht brauche – auch wenn ich von allen eingeredet bekomme, das es so wäre. Es geht um meine Innere Freiheit, selbst zu entscheiden, was ich wirklich will. Aus den Gründen, die ich oben genannt habe, ist das viel, viel weniger, als man gemeinhin denken könnte...

Aktion: Hast du genug?Aktion: Hast du genug?

Für diese Aktion habe ich die Tricks und Kniffe zusammengetragen, die ich bei mir angewendet habe, um der unbewussten Konsumfalle zu entkommen und diese Innere Freiheit zu gewinnen. Schau einfach in die Aktion "Hast du genug?" rein, um unsere Ideen und Tipps zu bekommen.

Aktion: Hast du genug?

 

Weitere Tipps

Mach den Zeit-Test

Ein weitere guter Test ist, wenn du dir überlegst, wie viel Zeit dich etwas tatsächlich kostet, was du kaufen möchtest: Berechne zunächst, wie lange du arbeiten musst, um das Geld zu verdienen, das du dafür ausgibst. Dann überlege dir, wie viel Zeit du brauchst, um es zu kaufen? Versuche zu addieren, wie viel Zeit du für Aufbau oder Einrichtung und Pflege aufbringen musst.

Und dann überlege dir, wie viel Zeit für die laufende Nutzung so pro Woche oder Monat anfällt und rechne das auf die gesamte, geschätzte Nutzungszeit hoch: Wenn du einen Toaster zum Beispiel 10 Minuten pro Woche nutzt und ihn 5 Jahre besitzt, wären das rund 44 Stunden. Rechne nun alles zusammen und überlege dir, was du mit dieser Zeit noch so alles anfangen könntest.

Multifunktionsdinge

Wenn du dennoch zu dem Ergebnis kommst, dass du das, was du kaufen möchtest, brauchst – dann habe ich einen guten Tipp bekommen: Menschen, die versuchen mit möglichst wenigen Dingen auszukommen, sogenannten Minimalisten, kaufen sich vorzugsweise Dinge mit sehr vielen verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten. Ein Beispiel: Ein Küchenmesser hat viele Nutzungsmöglichkeiten. Eine Knoblauchpresse nur einen. Es ist daher besser, ein Küchenmesser zu haben, mit dem man Knoblauchzehen zerdrücken kann, als eine Knoblauchpresse. Überleg dir doch also mal: Das was du dir kaufen möchtest – gibt es das in einer möglichst flexiblen Variante?

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