Michael Kasch über Tierschutz im Garten | TIERE

Michael Kasch über Tierschutz im Garten | TIERE

Mitten in einem Verkehrsdreieck liegt der idyllische Garten des Naturschutzbunds (NABU) Hamburg. NABU-Mitstreiter Michael Kasch zeigt uns heute, wie ein Garten (dennoch) zu einem echten Paradies für Tiere wird.

Auf der einen Seite braust die U-Bahn vorbei, auf der anderen drängt sich der dichte Straßenverkehr. Schräg darüber verläuft eine Bahntrasse der Deutschen Bundesbahn. "An manchen Tagen fliegen auch noch die Flugzeuge darüber", erzählt Michael Kasch. Er ist seit 30 Jahren beim NABU aktiv und zeigt uns an diesem Tag, dass man auch in der lautesten Stadtecke ein kleines Paradies für Pflanzen und Tiere schaffen kann.

80% der Insekten sind weg

Allen voran gilt unser Interesse den Insekten. 80% aller Insekten sollen seit den 1980er Jahren in Deutschland verschwunden sein. Das ist eine unvorstellbar große Menge. Schuld daran sind laut Umweltschutzverbänden vor allem die industrielle Landwirtschaft mit ihren Pestiziden und Kunstdüngern (weshalb es wichtig ist, Bio-Lebensmittel zu kaufen).

Doch auch in vielen Gärten setzen die Menschen Insektenvernichtungsmittel, Kunstdünger und Unkrautvernichter ein. Es wäre also schon mal ein erster wichtiger Schritt, das alles wegzulassen. Darüber hinaus geht es eigentlich relativ einfach, Insekten im eigenen Garten einen Unterschlupf und Lebensraum zu bieten: Einfach nicht immer alles so sauber aufräumen.

Weniger aufräumen ist besser

"Zumindest auf den Beeten sollte man das Laub im Herbst einfach liegen lassen. Die Blätter verrotten und düngen damit den Boden. Außerdem können Insekten im Winter hier Schutz finden", erklärt Kasch. Darüber hinaus sind Klassiker wie Insektenhotels sinnvoll – und das kann schon ein Holzstück mit ein paar Bohrlöchern sein. Oder auch Totholz wie Äste, die du in einer Ecke deines Gartens oder Balkons liegen lässt.

Es geht aber nicht nur um den Unterschlupf, sondern natürlich auch um die Nahrung. Hierfür brauchen Insekten vor allem heimische Wildpflanzen. "Viele denken, dass der Schmetterlingsbusch besonders viel Nahrung für Schmetterlinge bietet", meint Kasch. Das ist auch nicht ganz falsch. Doch bevor ein Schmetterling zum Schmetterling wird, ist er bekanntlich eine Raupe – und die braucht auch Futter...

Genauso sieht es mit Käfern und anderen Insekten aus. Sie sind darauf angewiesen, dass sie in deinem Garten oder auf deinem Balkon Pflanzen finden, die ihnen als Nahrung dienen können. Der NABU liefern auf seiner Website eine Liste mit Pflanzenporträts, wo du dich informieren kannst.

Igel, Vögel, Fledermäuse

Doch natürlich gibt es nicht nur Insekten in einem Garten. Vögel kommen und gehen. Igel vertilgen die ein oder andere Schnecke. Fledermäuse kommen des nachts heraus. Wer einen Teich hat, hat wahrscheinlich auch Frösche oder Molche. All diesen Tieren kann man den Garten auch angenehmer machen, wenn man ihn nicht ganz penibel in Ordnung hält.

Laubhaufen oder Haufen mit Ästen und Totholz sind auch gute Versteckmöglichkeiten für Igel. Für Vögel und Fledermäuse kann man Nistkisten aufhängen. Büsche mit Beeren oder liegen gebliebenes Fallobst liefern Nahrung. Und natürlich gilt: je mehr Insekten in einem Garten zuhause sind, desto mehr Nahrung finden all die Tiere, die in der Nahrungskette nach ihnen kommen.

Mein Fazit

Gut eine Stunde sind wir durch den kleinen Garten gewandert. Michael Kasch war sichtlich in seinem Element, als er mir die Beete mit den Wildpflanzen zeigte, den Teich, die Ecken mit den Laubhaufen, das Insektenhotel. Mir hat dieser Besuch nun richtig Lust darauf gemacht, in unserem Garten möglichst viele Winterschlupfe für Tiere anzulegen.

Und du? Hast du auch Lust bekommen, dich für die Wildtiere in deiner Umgebung einzusetzen? Dann richte doch auch etwas in deinem Garten, auf deinem Balkon oder im Baum vor deiner Haustür ein. Du wirst sicherlich mit jeder Menge Gesumme, Gebrumme und Gezwitscher im nächsten Frühjahr dafür belohnt...

Aktion: Wilde Orte schaffenAktion: Wilde Orte schaffen

Wie du genau Unterkünfte für wilde Tiere in deiner Umgebung schaffen kannst, das erfährst du Schritt für Schritt in unseren Aktionsanleitung.

Aktion: Wilde Orte schaffen

 

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