Werner Boote über gefährliches Plastik | HAUSHALT

Werner Boote über gefährliches Plastik | HAUSHALT

Mit seinem Film "Plastic Planet" rüttelte Werner Boote viele Menschen wach. In diesem Video erzählt er uns von den Gefahren des Plastiks.

Plastik beschäftigt mich bis heute

Ich habe 2009 den Film Plastic Planet gemacht, wo es auch schon ein Buch dazu gibt. Und der zeigt die Bedrohung der Kunststoffe für unsere Umwelt, für unsere Gesundheit. Seit dem bin ich als Filmemacher natürlich mit anderen Themen beschäftigt, aber das Thema Plastik hat durch den Film einen wahnsinnigen Aufschwung erlebt und das ist für einen Filmemacher großartig. Ich war davor 10 Jahre damit beschäftigt und bin jetzt noch immer mit dem Film beschäftigt, mit dem Thema. Das ist halt mein großes Anliegen, dass da was passiert.

Haushalt Botschaft: Werner Boote

Warum mich das Thema so interessiert

Ich habe 1999 zum ersten Mal in der Zeitung einen kleinen Artikel gelesen. Da stand: "Fische in der Nähe von Devon UK können sich nicht mehr fortpflanzen, aufgrund einer Substanz, die aus Kunststoff austritt." Und ich habe mir gedacht: Das kann ja nicht sein. Das gibt´s ja nicht. Wieso ist das nur dort? Stimmt das überhaupt? Wenn das stimmt, dann ist das ja eine wahnsinnige Meldung. Warum ist das nur so ein kleiner Artikel?

Und ich habe angefangen zu recherchieren. Vier Jahre haben wir da rein recherchiert und dann haben wir begonnen den Film zu drehen. 2009 kam Plastic Planet ins Kino und ist mittlerweile in über 80 Ländern der Welt zu sehen. Und es geht weiter und weiter... Gestern habe ich eine Einladung nach Eritrea bekommen. Vor ein paar Tagen hat es geheißen, das ist einer der erfolgreichsten Umwelt-Dokus der Welt. Das ist einerseits schön, aber man sieht, dass da noch sehr viel Handlungsbedarf ist.

Die größten Plastikgefahren

Das größte Problem ist, glaube ich, einerseits unser Wirtschaftssystem, das einfach darauf basiert, dass es Menschen, dass es Großkonzernen möglich ist auf Kosten der Umwelt und auf Kosten unserer Gesundheit Geld zu machen. Profite zu machen. Und das es da keine gesetzlichen Regelungen gibt, die die Menschenrechte und den Umweltschutz gesetzlich verankern. Das ist das größte Problem und damit ergibt sich automatisch, dass eine Kunststoffindustrie zum Beispiel, aber auch in anderen Bereichen, auf unsere Kosten und Kosten der Umwelt Plastik in alle Richtungen werfen. Und alles verpacken, was man sich nur einfallen lassen kann. Bis hin zum gekochten Ei, das geschält und dann in Plastik eingeschweißt wird. Als hätte die Natur nicht eine Hülle erfunden. Das gleiche gilt für Bananen.

Aber es gibt natürlich ganz klare Zielrichtungen, die jetzt dringend gemacht werden müssen. Das ist einerseits das Mikroplastik, dass zum Beispiel aus der ganzen Zahnpasta und den Kosmetikartikeln entfernt werden muss. Dass das nicht mehr mitproduziert werden darf. Es sind die Textilfasern, die Plastikfasern in den Kleidungen, die immer mehr verkauft werden. Mit denen Firmen immenses Geld machen. Die wir unachtsam in die Waschmaschine werfen. Die die Plastikfasern über das Grundwasser in die Natur abgeben. Also dann auch wieder in unseren Körper. Es sind die vielen besorgniserregenden Chemikalien, die nachwievor noch immer verwendet werden. Vor allem in Richtung Kinderspielzeug. Und es ist natürlich das große Dilemma mit der großen Mülldeponie im Meer, wo alles hin geht. Die Fische fressen das und wir bekommen den Fisch ab... Also abgesehen davon, dass viele Meerestiere da verenden sind wir diejenigen, die das im Endeffekt in unsere Körper abgeben.

Dass was dringend gemacht werden muss, meiner Meinung nach: Das Plastik muss besteuert werden. Es ist ganz wichtig, dass man versteht, dass der Schaden der an der Umwelt und an unserer Gesundheit angerichtet wird, dass wir dafür aufkommen müssen. Das tun wir jetzt auch schon. Aber es kann nicht sein, dass eine Industrie Milliarden verdient und wir dann auch noch den Schaden aufräumen müssen.

Was wer tun kann

Es gibt drei Parteien, die daran arbeiten müssen. Einerseits wir, die Verbraucher, die verstehen müssen, dass es vielleicht viel besser schmeckt, wenn man Grundwasser aus einer Glasflasche oder einem Glas trinkt. Und dass es viel cleverer ist, in vielen Bereichen Alternativstoffe und Alternativmaterialien zu wählen.

Es ist die Kunststoff-Lobby, also die Kunststoffindustrie, die eingeschränkt werden muss. Die dringend Grenzen braucht.

Und als Drittes sind es natürlich auch die Politiker, die wir durch unsere große Aufmerksamkeit stark machen können in der Diskussion mit der Kunststoff-Lobby. Wo einfach ganz dringend eine Plastikbesteuerung her muss, aber auch viele andere Regelungen, die schon längst anstehen.

Was ganz positiv ist, ist dass in vielen Ländern schon ein Plastiktütenverbot, aber auch Plastikflaschenverbot diskutiert wird. Erst jetzt vor wenigen Tagen hat sich ein Staat [Costa Rica] dazu bekannt, Plastikflaschen gesetzlich zu verbieten. Und das sind natürlich schon Schritte, die in eine bessere Richtung gehen. Aber in Ländern, wo jetzt die Kunststoff-Lobby oder die Industrie so stark ist, dauert es halt länger.

Die Zukunft

Mittelfristig gesehen bin ich eher ein Pessimist. Langfristig gesehen doch ein Optimist - und denke mir, dass es der Mensch es schafft, eine Minute vor zwölf, doch noch alles herumzureißen. Also ich denke mir schon, dass der Plastikwahn in der Zukunft verschwinden wird, weil die Leute verstehen werden, dass es gesundheitsschädigend und umweltschädigend ist. Und einfach ekelhaft, stinkt und was noch alles...

Natürlich wird es Produkte wahrscheinlich geben, die man ohne Plastik nicht herstellen wird können. Da wird es andere Lösungen geben, wird man andere Lösungen finden. Meistens liegt es ja auch an den Transportwegen und an der Komplexität des Problems. Man muss es halt ein bisschen anders anpacken. Und vielleicht wird es immer etwas geben, wie eine Rakete, die auf den Mars fliegt und da wird Plastik mit dabei sein. Aber dann werden die Leute die drinnen sitzen das dann auch wissen müssen. Es muss viel mehr Aufklärung her und Transparenz, was wo drinnen ist und was da gemacht wird.

Es gibt schon sehr viele Alternativlösungen. Es gibt kompostierbare Grundstoffe, die biologisch abbaubaren Kunststoffe. Da muss man aber vorsichtig sein. In vielen Bereichen ist das auch, um uns ein bisschen mundtot zu halten. Nach dem Motto: Ja ja, wir machen irgendeinen kleinen Schritt und versuchen eh unser Bestes. Der erste Gedanke ist: Aha, na ja, die Firmen strengen sich an. Aber in Wahrheit, wenn wir dahinter blicken, sehen wir, dass das nur ein Trick ist, um Zeit zu gewinnen. Um uns davon abzuhalten, die wirklich notwendigen Gesetze zu verlangen. Und das ist, was geschehen muss.

Politiker zur Verantwortung ziehen

Die Eigenverantwortung ist eine der wichtigsten Sachen. Das ist klar. Jeder kann normal besser durchs Leben gehen und einfach schauen, was wirklich wichtig ist. Und sich ein bisschen engagieren, für sich selbst, für die Mitmenschen. Davon darf man eigentlich ausgehen. Leider Gottes, SOLLTE man davon ausgehen... leider ist es ja nicht so.

Aber ich glaube, dass schon ein ganz großer Teil der Verantwortung die Politiker betrifft. Ich glaube, dass das Problem ist, dass Konzerne so viel Macht auf Politiker und unsere Regierungen ausüben, dass es zu den notwendigen Schritten - die wir eigentlich alle spüren und die wir eh wissen - nicht kommt. Dass da natürlich eine Eigenverantwortung ist, ganz essenziell. Aber ich glaube auch, dass Politiker einfach viel mehr das tun müssen, wofür sie da sind. Nämlich für uns.

Mein großer Appell an jeden ist, natürlich hinzuschauen und sich um seine Umwelt zu kümmern. Zum Beispiel bewusst einzukaufen. Aber vor allem Druck auszuüben auf Politiker. Auf die Menschen, die für unsere Gesundheit sorgen müssen. Die Menschen, die für die Umwelt quasi auch verantwortlich sind und die Konzerne einfach in die Schranken weisen müssen.

Hier geht es zur offiziellen Filmseite von Plastik Planet.

Und hier zur Seite von Werner Boote, mit vielen weiteren Informationen.

 

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